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Team

Lars Vockensohn

FotoFahrradhändler aus Leidenschaft
Früh übt sich: Schon in der Schulzeit hat Lars Vockensohn mit einem Freund alte Fahrräder ersteigert, aufgemöbelt und weiter verkauft. Sogar der Wirtschaftskunde-Lehrer gehörte zu den Abnehmern. Damals wurde in der Waschküche oder auf dem Dachboden geschraubt, heute hat Lars Vockensohn sein eigenes Geschäft: EinRad in Bremen-Schwachhausen.

Einmal hat er probiert, etwas anderes zu machen und ein Lehramtsstudium begonnen. Doch der 1967 geborene Bremer musste schnell einsehen, dass sich sein Leben nun einmal um eine Nabe dreht und Alu-Felgen hat.

Mit 16 durfte er schon im Auftrag der Verbraucherzentrale bei einer Messe Leute beraten, die einen Radkauf planten. Etwa zur gleichen Zeit stieg er in den Radsport ein: „Gewonnen habe ich nie, ich bin immer sehr erfolgreich hinterher gefahren.“ Nach einigen Jahren gab er den Leistungssport wieder auf, doch Rennrad fährt er heute noch. Mountainbike-Touren sind als Leidenschaft hinzugekommen. Mit einer Gruppe von Freunden fährt er regelmäßig durch die Wälder des Harzes und des Sauerlands.

Dass es um mehr als eine Freizeit-Passion ging, hat sich schon während des Zivildienstes abgezeichnet. Nach Dienstende jobbte Lars Vockensohn in einem Fahrradladen und arbeitete gebrauchte Hollandräder auf. Einige Jahre später wurde er zum Geschäftsführer befördert und blieb in dieser Position, bis er wegen des Studiums kündigte.

Als 1996 in Schwachhausen Ladenräume frei wurden, besann er sich jedoch eines Besseren, hängte das Studium an den Nagel und machte sich selbstständig. Bereits vier Jahre später lief EinRad so gut, dass mehr Platz benötigt wurde, das Geschäft siedelte an seine heutige Adresse in der Kirchbachstraße 186 um. Lars Vockensohn ist Geschäftsführer, betreut aber auch Kunden. Mit Trecking-, Reiserädern und Kinderfahrzeugen wie Rollern oder Anhängern kennt er sich besonders gut aus. Eine weiteres Spezialgebiet sind lustige Bemerkungen, am liebsten auf eigene Kosten: „Wir machen auch viele Leute fröhlich, wenn sie hereinkommen.“

Gibt es überhaupt ein Leben neben dem Fahrrad? „Doch! Ich bin auch glücklicher Familienvater“, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen. Außerdem spielt Lars Vockensohn in einer Improvisations-Theatergruppe. Wenn er nicht gerade einer anderen Vorliebe frönt: „Ein Hobby ist tatsächlich immer noch, an Fahrrädern rumzubasteln.“ Mit Leib und Seele.

Lars "Kreet" Roggendorf

FotoVielbeschäftigter Lausebengel
„Außer meiner Mutter sagt wirklich niemand Lars zu mir“, sagt Lars Roggendorf. Schuld ist der Babysitter. Er hat ihm einst den Spitznamen Kreet verpasst, der offensichtlich passender war als das Original. Das Wort kommt aus dem Plattdeutschen und heißt übersetzt Lausebengel.

Kreet, am 15. Mai 1975 in Bremen geboren, ist der Zweitüngste im Team und doch ein alter Hase des Metiers. „Seit ich 16 war, habe ich immer in irgendwelchen Fahrradläden gearbeitet“, erzählt er. Genau genommen sogar noch zwei Jahre länger: Mit 14 absolvierte er sein Schulpraktikum in einem Fahrradladen, er ist gleich dort hängen geblieben.

Inzwischen hat Kreet in mehreren Fahrradgeschäften Bremens und im Bremer Speckgürtel gearbeitet. Zuletzt in Thedinghausen, da reparierte er sogar Schubkarren, Waschmaschinen und Rasenmäher. Seit 2003 ist er im EinRad-Team, wo er zu gleichen Teilen im Verkauf und in der Werkstatt arbeitet. Schubkarren-Probleme sind natürlich grundsätzlich sein Job.

Parallel studiert er seit 2003 Lehramt – Sport und Arbeitslehre. „Das ist das, was ich eigentlich immer machen wollte“, berichtet Kreet. Mit seinem Schulabschluss sei das Studieren allerdings unmöglich gewesen. Irgendwann habe ihm ein Kunde im Fahrradladen den Tipp gegeben, das Abitur auf der Erwachsenschule nachzuholen: „Netter Typ, der hat mir sogar das Anmeldeformular mitgebracht.“

Neben Studium und Beruf hat der Lausejunge noch eine Menge anderer Aktivitäten vorzuweisen. Unter anderem fährt er Moutainbike und Rennrad, spielt Baseball und restauriert alte Vespa-Roller. Es gibt noch weitere Hobbies, aber darüber schweigt er sich aus.
Seit fast zwei Jahren gibt es dann da auch noch eine neue Frau in Kreets Leben: Von seiner Tochter Tjorven lässt er sich gerne mal die Bremische Spielplatzszene zeigen.
Wie all das auf einmal geht, bleibt leider ebenfalls sein Geheimnis.

Mike Scott

FotoFahrräder und Punk
Bakersfield ist neben Nashville die zweite Country-Hauptstadt der USA. Dort ist am 1. Dezember 1965 Mike Scott geboren, und tatsächlich schlägt sein Herz für die Countrymusik – vor allem für die alte Schule, Hank Williams und Co. Aber zwei Dinge sind ihm noch wichtiger: Fahrräder und Punk.

In dieser Reihenfolge. Fahrräder hat er schon seit seiner Kindheit repariert: „Mein Vater hat mir irgendwann gezeigt, wie es geht, weil er keine Lust mehr hatte, ständig Platten zu flicken.“ Mit 15 Jahren stieg er in den Radsport ein und fuhr Bahnrennen. Doch dann übernahm vorerst der Punk die Regie.

Mike Scott brachte mit den Bands „Christ On Parade“ und "Econochrist“ mehrere Platten heraus, tourte mit ihnen quer durch die Staaten und schließlich auch durch Europa. „Und 1993 bin ich hier stecken geblieben mit meinem Bass und einem Sack dreckiger Klamotten.“ Man ahnt es wohl, da war Liebe im Spiel.

Mit Punk hat man es hierzulande freilich schwer, seine Brötchen zu finanzieren. So nahm Mike Scott einen Job in einem Bremer Mountainbike-Laden an. Als der pleite ging, habe er „im orthopädischen Bereich“ gearbeitet. Doch nur für kurze Zeit, dann machte ihn eine ehemalige EinRad-Mitarbeiterin mit Lars Vockensohn bekannt. 2001 stieg Mike als Halbtagskraft ein, inzwischen ist er in Vollzeit beschäftigt.

Hauptsächlich ist die Werkstatt sein Reich, „ich bin für das Chaos zuständig“, sagt er. Der Satz bezieht sich auf die Unordnung seiner Werkbank, die den Kollegen immer wieder Anlass zum Lästern gibt. „Aber ich finde mich da gut zurecht.“

Abends steht nach wie vor die Musik an erster Stelle. Mit der Punkband „Nitrous Oxide Wrestling Club“ hat der leidenschaftliche Kickboxer zwar wenig Hoffnung auf den ganz großen Durchbruch, doch Live-Gigs in ganz Norddeutschland halten das Feuer wach.

Außer seinem Bass hat der Mike Scott auch sein Faible für Mountain Bikes in die Alte Welt mitgenommen. Am Wochenende schwingt er sich auf Bike und Rennrad, manchmal gemeinsam mit den EinRad-Kollegen, öfters jedoch auf eigene Faust. Teufelsmoor oder Deister und Harburger Berge sind die bevorzugten Ziele.

David Urban

FotoMan könnte David Urbans Lebenslauf ganz kurz erzählen: Am 31. März 1979 in Bremen geboren, 1999 Abi. Dann Zivildienst im Integrationskindergarten, anschließend ein Semester Wirtschaftsstudium („aber das war’s nicht“), Wechsel ins Lehramtsstudium, Geschichte und Sport. Wenn alles normal läuft, kann er im Sommer 2009 fertig sein und Lehrer werden.

Ob’s tatsächlich so kommt, steht in den Sternen. Was auf den ersten Blick so gradlinig wirkt: Bei näherem Hinsehen ist es das beileibe nicht. „Ich habe immer die verschiedensten Nebenjobs gehabt“, erzählt David Urban. Mit 16 Jahren ging’s, als Hilfskraft in der Frischwaren- und Konservenabteilung eines Supermarkts besserte er sein Taschengeld auf.

Nach ein paar Jahren suchte er flexiblere Arbeitszeiten und landete bei Mac Donalds. „Da lernt man alles“, sagt er, also Kochen und Verkaufen. Die Arbeitsbedingungen waren nicht so gut, dafür aber das Klima im Team. So war es auch ein Mac-Donalds-Kollege, der ihm seinen nächsten Job vermittelte – bei Mercedes am Band. „Das war eine gute Motivation fürs Studium, weil man genau weiß, dass man nicht am Band landen möchte.“

Als Mercedes im Zuge des allgemeinen Personalabbaus auch die Aushilfsstellen strich, war es wieder ein Freund aus Mac-Donalds-Zeiten, der ihm auf die nächste Fährte brachte: Mehrere Jahre lang betreute David Urban körperlich behinderte Menschen, half ihnen im Haushalt und pflegte sie. In einem Fall tut er das bis heute, weil ihm der „Junge“ so ans Herz gewachsen ist.

Doch sein Hauptnebenjob ist seit Anfang 2007 bei EinRad. Er hatte Kreet bei einem Mountainbike-Kurs im Studium kennen gelernt und konnte dem Angebot, in einem Fahrradladen zu arbeiten, einfach nicht widerstehen. Denn neben Freunden, Musik (auf dem guten alten Vinyl!) und Fußball („seit 1995 Dauerkarte in der Ostkurve“) ist das Radfahren seine große Leidenschaft.

Mit 18 Jahren hat er sich sein erstes Trekkingrad zusammengeschraubt, mit 19 das erste Rennrad gekauft, ein knappes Jahr lang auch Rennen gefahren, dann aber wieder damit aufgehört, weil es zu zeitaufwendig war. „Da mache ich doch lieber so Sachen, wie mit dem Mountainbike durch die Alpen zu fahren.“ Weil die Berge von Bremen aus etwas umständlich zu erreichen sind, begnügt er sich in der Regel mit Rennrad-Touren oder Wochenendtrips mit dem Mountainbike.

Und was ist mit den Lehrer-Ambitionen? Keine Ahnung, sagt David Urban, „mal abwarten, was sich so ergibt“.

Jörg Bülter

FotoVon Buten nach Binnen
„Ich wollte ganz bewusst nicht in einem großen Discounter arbeiten“, sagt Jörg Bülter. Nicht zuletzt deshalb hat es den langjährigen Fahrrad-Experten zu EinRad getrieben. Doch es gibt noch ein paar Gründe mehr.

„Ich bin ein gebürtiger Buten-Bremer“, erzählt Jörg Bülter über seine Ursprünge. Am 7. Januar 1966 in Posthausen geboren, ist er allerdings schon vor langem in den Binnen-Bereich gewechselt. Da war er Anfang 20 und gerade von einer sechsmonatigen Mammut-Fahrradtour durch die USA zurückgekehrt.

Nun stand die schwere Wahl an, ob es beruflich im Behindertenbereich weitergehen sollte – der Zivildienst hatte sein Interesse dafür geweckt – oder lieber auf dem handwerklich-kaufmännischen Sektor. Entscheidend war schließlich der Wunsch nach einer selbstverwalteten Arbeit: Jörg Bülter begann in einem alternativen Fahrradladen, arbeitete 16 Jahre dort, lange Zeit davon in leitender Position.

2003 dann der Break. Er entschied sich, doch noch zu studieren, und schrieb sich für Behindertenpädagogik ein. Seit März 2004 ist er parallel bei EinRad angestellt. Verkauf und Beratung sind seine Schwerpunkte, daneben ist er für Warenpräsentation und Bestellungen zuständig. Und wenn es in der Werkstatt brennt, packt er natürlich auch dort mit an.

Warum Einrad? Zum einen, sagt Jörg Bülter, zieht er die überschaubaren Strukturen des Einzelhandels dem anonymen Discountergeschäft vor. Auch das kollegiale Arbeitsklima ist ihm wichtig. Und nicht zuletzt macht es ihm mehr Spaß, hochwertige Räder statt Billigware zu verkaufen.

In der Freizeit fährt Jörg Bülter „natürlich auch gerne Fahrrad“, spielt Badminton und interessiert sich ansonsten für Kultur: Kino, Theater, Konzerte (querbeet von Klassik bis Rock) sind seine Faibles. Das Studium ist inzwischen vorangeschritten, doch zugleich melden sich Zweifel, ob er wirklich in die Arbeit mit Behinderten wechseln wird: „Ich glaube eher, ich bleibe dem Fahrrad erhalten.“


Boris Kornitschky

FotoMit Motor oder ohne
„Bremen und Fahrräder passen einfach gut zusammen“, findet Boris Kornitschky. Bis es zu dieser Einsicht kam, hat der gelernte Zweiradmechaniker jedoch eine Weile gebraucht. Ursprünglich hat er sich auf schweres Gerät spezialisiert.

Boris Kornitschky ist am 30. August 1967 in Bremen geboren, ist hier groß geworden und hat die Schulzeit mit dem Fach-Abi für Grafikdesign beendet. Nach Zivildienst und mehreren Jobs als Taxifahrer sei ihm klar geworden, dass die Grafik noch warten musste: „Ich habe mir gedacht, studieren kann ich immer noch. Ich wollte gerne irgendetwas schrauben.“ Das habe er schon als Jugendlicher mit Begeisterung gemacht, „egal ob mit Motor oder ohne“.

Nach der Ausbildung zum Zweiradmechaniker fand Boris Kornitschky zunächst eine Stelle in einem großen Fahrradgeschäft – „zu groß, um auf den Geschmack zu kommen“. Ohnehin wollte er lieber Motorräder reparieren. Doch nach vier befristeten Jobs habe er die Nase voll gehabt vom hire and fire. „Den Motorradläden ging es auch zunehmend schlechter“, fügt er hinzu.

Er wechselte zurück ins Fahrrad-Metier, seit Sommer 2004 ist er nun im EinRad-Team. Manchmal hilft er bei Beratung und Verkauf, überwiegend ist er in der Werkstatt tätig. Besonders gerne repariert er hochwertige Räder. Was für ihn die Faszination daran ausmacht? „Die Technik“, sagt er. „Die ist so vielseitig. Und umweltfreundlich. Und es sind immer auch Design-Aspekte dabei, weil die Technik ja anders als beim Auto offen liegt.“

An Wochenenden zieht er mit den EinRad-Kollegen zu Mountainbike-Touren los. Oder er vertieft sich in eine ganz andere Technik: Boris Kornitschky beschäftigt sich viel mit dem Computer und besonders mit Linux. Auch eine ziemliche Bastelei. Nur ohne Schraubenschlüssel.

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